Kittie
Anmeldedatum: 27.10.2007 Beiträge: 146
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Verfasst am: Sa Okt 27, 2007 12:36 pm Titel: Jack Ketchum - Evil |
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EVIL
Jack Ketchum und Dallas Mayr
Heyne Hardcore 2006-01-01 Broschiert 336 Seiten
Autor: Jack Ketchum
Titel: Evil ("The Girl Next Door" )
Inhalt/Meinung:
Zum Inhalt nur so viel: Meg und Susan verloren ihre Eltern bei einem
Autounfall und sind so gezwungen bei ihrer Tante Ruth und ihren 3 Söhnen
zu leben. Anfangs ist noch alles grün, aber bald findet sich Meg in einem
Alptraum wieder.
Sie wird im Keller von Ruth eingesperrt und bald auch von Ruth selber,
ihren Söhnen, David und 2 anderen Kindern aus der Nachbarschaft
gefoltert, es werden Meg Verbrennungen, sexuell misshandelt und dies
gipfelt dann in einer Vergewaltigung.
Ich bin ja Folterungen nicht abgeneigt - dies ist ja kein großes Geheimnis
mehr - aber was ich hier zu lesen bekam, hat mich doch geschockt.
Denn hier handelt es sich noch um Kinder und was dem Mädchen angetan
wird, ist einfach nur grausam, aber für sie war es nur ein Spiel. Ein Spiel
was sie sonst auch immer gespielt haben (eben nur in sehr viel
harmloserer Form) und eine Erwachsene (Ruth) ist auch mit dabei und sie
ermutigt noch die Kinder zu diesen Taten - immer unter den Deckmantel
eines Spiels.
Man sollte auch meinen, dass man Mitleid mit Meg empfindet, aber
Ketchum schafft es, dass sie in den Hintergrund rückt und es den Anschein
hat, dass es in Ordnung sei was dort mit ihr passiert, denn wie Ruth
meint, hat Meg dies alles verdient. Aber dabei ist Ruth eine gestörte
Persönlichkeit, die von Neid, Eifersucht (auf Meg, weil sie noch so jung und
hübsch ist) und Hass auf die Männer zerfressen ist. Sehr interessanter
Charakter, aber David ist noch interessanter.
Er ist auch der Erzähler der Geschichte und wir lernen ihn auch gleich am
Anfang des Buches kennen mit der Frage Ihr glaubt, ihr wisst, was
Schmerz ist? - und Schmerzen sind ein großer Bestandteil des Buches,
aber dazu komme ich später noch mal. Wir begleiten als David durch die
Geschichte und "sehen" was er sieht und erfahren auch nur das, was er
weiß. David ist auch der stille Beobachter, der nur zusieht bei den
Folterungen, aber nicht mitmacht und sonst auch nichts tut. Erst sehr viel
später versucht er Meg zu helfen - wirklich sehr viel später. Und man stellt
sich die Fragen warum er nicht schon eher etwas unternommen hat - er
hatte da durchaus Möglichkeiten, aber leider hat er viel verschenkt. Gut er
war abgelenkt, weil es zwischen seinen Eltern nicht so gut lief, aber
dennoch hätte er was machen müssen!
Ich war eben schon bei Schmerzen und was jetzt kommt, ist makaber,
aber man findet deutliche BDSM Motive in der Geschichte, aber nur bis zu
einem gewissen Punkt und da es sich hier um Kinder handelt, sollte man
diesen Gedanken lieber verwerfen, aber ich hab da die böse Ahnung, dass
Manche da was falsch verstehen werden.
Sexualität ist zwar ein wichtiger Bestandteil der Geschichte und ich denke
mal jeder Mann, der sich an seine jungen Jahre erinnert, weiß das Brüste
und das Entdecken der eigenen Sexualität was tolles sind, aber hier mit
diesem Hintergrund eher grausam und verstörend.
"Evil" ist auch wirklich spannend, aber ich würde es nicht mit zur
Horrorliteratur zählen so wie man es oft zu lesen bekommt.
Horrorelemente nach meinem Verständnis sind nicht vorhanden und ich
würde dieses Buch auch mehr dem Drama/Thriller Genre zu ordnen.
Jetzt noch ein paar kleine Nebenbemerkungen, die mir nicht ganz so
wichtig erscheinen, aber man bekommt sie überall zu lesen und so hab ich
das Gefühl dies auch erwähnen zu müssen.
Die Geschichte spielt in den USA der 50er Jahre. Was mir nicht ganz so
wichtig erscheint, denn es hätte auch früher oder später spielen können,
ich persönlich kann da nichts Besonderes dran erkennen. Und auch
Stehphen King lieferte ein Vorwort zum Buch ab. Soll wohl den Verkauf
steigern und ich würde diesem Buch es auch wirklich wünschen, aber dies
ist für mich auch nicht so weltbewegend, denn das Buch spricht für sich
alleine. Und "Jack Ketchum" ist nur ein Pseudonym für den ehemaligen
Schauspieler, Lehrer, Literaturagenten und Holzverkäufers Dallas Mayr.
Mittlerweile wurde das Buch auch schon verfilmt und lief auch schon in den
USA in den Kinos oder bei diversen Festivals. Was genau kann ich jetzt
nicht sagen, weil ich das nirgends deutlich rauslesen konnte. Ich weiß nur
sicher, dass der Film das "R" Rated bekam und was man bisher zu lesen
bekommt, scheint sich der Film sehr nah, an die Buchvorlage zu halten.
Ich hab auch bisher schon ein paar Bilder aus dem Film gesehen und
dieser Film könnte wirklich was werden. Ich hoffe ja auch, dass der bald
irgendwo auf DVD erscheint. Bin schon sehr gespannt drauf.
Noch eine Bemerkung bevor ich zu meiner Empfehlung komme: der
Originaltitel "The Girl Next Door" finde ich viel treffender als den
"deutschen" Titel "Evil". Denn wenn man das Buch kennt, ist der
Originaltitel sehr viel verstörender und einprägender.
"Evil" hat mich wirklich überrascht und ich habe schon lange nicht mehr so
ein gutes Buch gelesen. Trotz der Grausamkeiten hat man hier eine
spannende Geschichte, die es vermag einen in ihrem Bann zu ziehen.
Dieses Buch ist verstörend und wird mir auf jeden Fall lange im
Gedächtnis bleiben.
Da fällt mir noch ein: oft wird die einfache Schreib- und Ausdrucksweise
Ketchums kritisiert. Ich finde zu unrecht, denn irgendwelche Metaphern
wären hier vollkommen fehl am Platz und drum herum reden würde auch
nichts bringen. Ketchum bringt es genau auf den Punkt - knallhart - hier ist
kein Platz für Beschönigungen oder Ausflüchte oder gar derbe
Abweichungen in die eigene Phantasie - durch den einfachen Erzählfluss
bekommt man genau die richtige Vorstellung - auch die Leiden, die
Verzweiflung, ...
Sehr schön und bitte mehr davon! Nicht lange an irgendwas aufhalten,
sondern es genau auf den Punkt bringen.
Absolute Empfehlung von mir. Und ein Danke an Mandragora das sie mich
auch dieses Buch aufmerksam gemacht hat. _________________ i LooK inTo thE miRrOR ... tHe wHOrE iS aLL i See |
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